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Schweizer Sagen und Legenden entlang der Bergwege

Drachen, Geister und versunkene Dörfer - was die Berge der Schweiz erzählen.

Lesezeit6 Min
AutorMY MOUNTAIN Redaktion
Aktualisiert20.05.2026

Jedes Land braucht seine Mythen und Legenden. Jeder Berg, jeder See und mancher Felsen in der Schweiz trägt eine Geschichte. Generationen von Hirten und Bauern haben die unwirtliche Bergwelt mit Erzählungen bevölkert - von Drachen und Geistern, von Strafe und Erlösung. Verbunden mit aufregenden Geschichten wird selbst ein Spaziergang zum Abenteuer, gerade für Kinder. Wer diese Sagen kennt, wandert mit anderen Augen durch die Landschaft.

Auf den Spuren von Wilhelm Tell

Wilhelm Tell, der legendäre Schweizer Nationalheld, verkörpert den Unabhängigkeitswillen des Landes. Die berühmte Szene, in der er einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schiessen muss, ist ein zentrales Element des Schweizer Gründungsmythos. Der Weg der Schweiz rund um den Urnersee in Uri führt zu vielen Schauplätzen der Sage: zum Schillerstein im Vierwaldstättersee, zum Tell-Denkmal in Altdorf und zur Hohlen Gasse, wo Tell den Landvogt Gessler erschossen haben soll. Interaktive Ausstellungen und geführte Touren machen die Geschichte für Familien erlebbar.

Drachen, Geister und der Pilatus

Kaum ein Berg ist so sagenumwoben wie der Pilatus bei Luzern. Der Legende nach soll auf seinem Gipfel der Geist des römischen Statthalters Pontius Pilatus umgehen, dessen Leichnam in einem Bergsee versenkt worden sei. Wer das Wasser störte, so hiess es, löse verheerende Unwetter aus. Jahrhundertelang war es deshalb verboten, den Berg zu besteigen.

Auch Drachen gehören zur Pilatus-Sage. Im Mittelalter berichteten Chronisten von geflügelten Ungeheuern, die in den Höhlen des Bergs hausten. Heute sind die Drachen ein touristisches Wahrzeichen, doch die alten Erzählungen geben dem Gipfel bis heute eine besondere Aura. Der Drachenstein vom Pilatus ist eine der bekanntesten Innerschweizer Legenden.

Mystische Orte in den Regionen

Im Berner Oberland erzählt man sich vom Toggeli, einem kleinen Kobold, der Wanderer in die Irre führt. Geheimnisvolle Höhlen und uralte Bäume gelten als magische Plätze, jeder mit eigener Geschichte. Im Tessin ist das Verzascatal für die Sage von der Hexe von Sonogno bekannt, die in den Wäldern gelebt und magische Kräfte besessen haben soll. Das Maggiatal ist erfüllt von Geschichten über Geister und verborgene Schätze in tiefen Schluchten. Selbst Bergnamen tragen Sagen in sich: Die Walliser Gipfelgruppe Les Diablerets ist nach den Teufeln (diables) benannt, die dort angeblich spuken.

Der Weg der Schweiz

Der Weg der Schweiz war ein Geschenk der Kantone zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft 1991. Der rund um den Urnersee verlaufende Panoramaweg ist in 26 Abschnitte unterteilt, je einen pro Kanton, deren Länge sich nach der Einwohnerzahl bemass: Symbolisch erhielt jede Person fünf Millimeter Weg. Die Route lässt sich in vier Tagesetappen gliedern und beliebig mit Schiff, Bus oder Bahn kombinieren.

Sagen als Spiegel der Bergwelt

Solche Geschichten waren mehr als Unterhaltung. Sie erklärten Naturgewalten, die unberechenbar und bedrohlich wirkten, und gaben den Menschen Regeln für den Umgang mit der gefährlichen Höhe. Wer heute durch die Schweizer Berge wandert, findet die Sagen an Wegtafeln, Hörstationen und in den Namen von Felsen und Pässen wieder. Sie machen eine Tour reicher, weil sie die Landschaft mit Bedeutung füllen. Wer mit Kindern unterwegs ist, findet in unseren Tipps zum Wandern mit Kindern passende Anregungen, um eine Tour mit Geschichten zu würzen.