
Hochtal auf über 1'700 Metern, in dem türkise Seen, Lärchenwälder und die Bernina-Gruppe ein Bergpanorama von seltener Klarheit ergeben.
Das Engadin zieht sich als langgestrecktes Hochtal entlang des Inns durch den Südosten Graubündens. Oben im Oberengadin reihen sich die Seen von Sils, Silvaplana und St. Moritz wie blaue Perlen aneinander, darüber wachen die Viertausender der Bernina-Gruppe. Weiter unten, im Unterengadin, wird es enger und urtümlicher, mit bemalten Engadinerhäusern und stillen Seitentälern.
Das besondere Licht des Tals ist berühmt: Die Höhe, die klare Luft und die nach Süden offenen Hänge sorgen für Kontraste, die Wanderinnen und Fotografen gleichermassen anziehen. Wer früh aufbricht, hat die Höhenwege oft fast für sich allein.
Der Klassiker ist der Muottas Muragl Panoramaweg, der durch Arven- und Kiefernwälder mit Dauerblick auf die Bernina-Gipfel führt; die Panoramaterrasse selbst liegt auf 2’456 m. Wer das Wasser sucht, folgt im Oberengadin der Seenwanderung von St. Moritz über Silvaplana nach Maloja oder dem rund 17 km langen Smaragdweg von St. Moritz nach Sils Maria, vorbei am idyllischen Lej da Staz. Im Unterengadin liegt das Naturschutzgebiet am Lais da Macun mit 23 kleinen Karseen auf einem Hochplateau, und der Senda Val Müstair zieht sich als knapp 20 km langer Panoramaweg durch den Südosten. Sportliche steigen auf den 2’968 m hohen Piz Daint.
Die Engadiner Dörfer sind berühmt für ihre Sgraffito-verzierten Häuser. Guarda, durch das Bilderbuch Schellen-Ursli bekannt, Ardez mit der Burgruine Steinsberg sowie Scuol und Tschlin im Unterengadin lohnen einen Halt. Wahrzeichen des Unterengadins ist das Schloss Tarasp. Kulinarisch begegnen einem Bündner Nusstorte und Capuns. Lehrpfade wie der Pflanzenpfad Samnaun erklären die artenreiche Flora mit wilden Orchideen, Enzianen, Anemonen und dem geschützten Edelweiss; mit etwas Glück zeigen sich Murmeltiere, Hirsche und Steinböcke.
Bei Zernez liegt der Schweizerische Nationalpark, 1914 gegründet und damit der älteste Nationalparks Europas. Auf rund 170 km² führen markierte Wege durch unberührte Natur, etwa zur Fuorcla Champatsch oder durch die Flusstäler; das Verlassen der Wege ist streng untersagt. Als Fernwanderweg durchzieht die Via Engiadina das gesamte Tal und lässt sich gut mit einer Hüttentour durchs Engadin verbinden. Familien finden auf kurzen Lehrpfaden und mit geführten Touren durch den Nationalpark passende Ziele, dazu zahlreiche Picknickplätze mit Tisch und Bank.
Die Rhätische Bahn erschliesst das gesamte Tal, Knotenpunkt ist St. Moritz. Von dort bringen Bergbahnen wie Muottas Muragl oder Corvatsch rasch auf Höhe. Die Wandersaison reicht von Juni bis Oktober, im goldenen Lärchenlaub des Oktobers zeigt sich das Engadin von seiner schönsten Seite.
Die Lärchen färben sich im Herbst zu einem Gold, das man im restlichen Alpenraum so kaum findet.